Russische Kulturtage 2015

Vom 14.-26.01.2015 organisieren das Koeppenhaus und das Institut für Slawistik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald Russische Kulturtage in Greifswald.

Lange ist es her, dass im Jahr 2002 das Koeppenhaus mit einer kleinen Reihe zur Russischen Kultur sein regelmäßiges Veranstaltungsprogramm begann, nun legen verschiedenste Akteure in erneuter Zusammenarbeit ein spannendes Programm vor und laden das Publikum ein, die vielen Facetten Russlands zu entdecken.


I. PETERSBURG – Eine literarische Zeitreise

Buchvorstellung mit der Autorin Steffi Memmert-Lunau. Moderation Raija Hauck

Es gibt wohl kaum ein Land, in dem die Dichter so verehrt werden wie in Russland. Doch steckt die Geschichte der russischen Literatur voller Widersprüche. In St. Petersburg, der alten Hauptstadt des Zarenreiches, laufen ihre Fäden zusammen. Zwischen Anpassung und Rebellion gerieten Schriftsteller und Intellektuelle oft in gefährlichen Widerspruch zur Macht. Ihre Biografien sind Leidensgeschichten, geprägt von Nöten und Ausgrenzung, aber auch von hoher Verehrung und glanzvollen Auszeichnungen.
Die Autorin Steffi Memmert-Lunau und die Fotografin Angelika Fischer begeben sich auf literarische Spurensuche durch Kommunalwohnungen und Paläste, Hinterhöfe und Hotels, in die Wohnungen von Hofpoeten und Salondichtern, Romantikern und subversiven Satirikern.

Mittwoch, 14.01.2015, Koeppenhaus, 20.00 Uhr, 5 & 3 Euro

Die Veranstaltung wird von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

 

II. Konzert mit SkaZka Orchestra

Osteuropäische Musik zum Tanzen

Wenn man einen schönen Abend voller Lebensfreude durchtanzen will, kann man das bei SkaZka Orchestra garantiert. Grundsätzlich schweißgetränkt, ehrlich und gutgelaunt erzählen sie ihre verrückten Märchen (russ. „Skazka“). Die Urgesteine der Band Artur Gorlatschov und Valentin Butt, die als Kinder aus Russland abgehauen sind, um die bunte Stadt Berlin zu entdecken, studierten an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. 2007 zusammen mit Elena Shams als Schlagzeugerin gegründet, erspielte sich SkaZka Orchestra in Windeseile eine Fangemeinde. Das inzwischen auf bis zu acht Mitglieder angewachsene Orchester steuert der alte Käpt’n Flo Metzger am Kontrabass. Andrej Ugoljew an der Posaune und Johannes Böhmer an der Trompete kommen aus dem Jazz. Spielerisch verbinden SkaZka Orchestra russischen Folk, Klezmer, Ska, Balkanmusik, lateinamerikanische Rhythmen und sogar Jazz zu einem Sound. Im Dezember 2012 erschien ihre letzte CD „Kalamburage“.

Samstag, 17.01.2015, Einlass 20.30 Uhr, Beginn 21.00 Uhr, IKUWO, Goethestr. 1, Eintritt 7 Euro

 

III. „Neujahrsgeschenke“ – ein Theaterstück nach Anton Tschechow

Russisches Theater und Konzert mit dem Chor „Choryllisch“

Die studentische Theatergruppe „Greifswalder Möwen“ präsentiert zu den russischen Kulturtagen ein Stück nach Erzählungen von Anton Tschechow. Alle drei Akte des Stückes passen zu den winterlichen Festen wie Weihnachten, Neujahr und das russische „Alte Neue Jahr“. Vielleicht sind Sie auch auf der Suche nach Geschenken für Ihre Liebsten? Und Sie wissen manchmal nicht, was Sie mit den „falschen“ Geschenken machen sollen? Wenn Sie wissen wollen, wie das früher in Russland war, kommen Sie zur Theatervorstellung der „Greifswalder Möwen“. Gespielt wird auf Russisch, deutsche Texte zum Mitlesen sind vorhanden.
Spieldauer ca. 1 Stunde, anschließend Chor-Konzert mit „Choryllisch“

Sonntag, 18.01.2015, 18.00 Uhr, Koeppenhaus, 3 Euro

 

Konzert mit dem Chor „Choryllisch“

Slawische Lieder mit Euphorie und Melancholie

„Choryllisch“ ist ein kleiner Chor von Enthusiasten aus Greifswald, der sich dem osteuropäischen Liedgut verschrieben hat. Es erklingen alte Geschichten aus dem 16. Jahrhundert genauso frisch und munter wie neuere aus unserer Zeit. Es geht – wie so oft – um die Liebe, aber auch um alltägliche Probleme auf dem Dorf und in der Stadt. Besungen werden Wanderungen durch dichte Wälder und über Birken bestandene Felder, die Wege der Partisanen, russische Feste, die Fahrt mit einer alten Straßenbahn hinaus an die kühlen blauen Seen aber auchdie Zeit der vielen Kriege im letzten Jahrhundert. Heraus kommt das Gefühl einer echt slawischen Mischung von Euphorie und Melancholie, die jeden mitnimmt, der bereit ist, sein Herz für die Weiten des europäischen Ostens zu öffnen.

 

IV. Workshop zur Poesieübersetzung

„Die Sprache hat mich aufrecht gehalten.“ Workshop mit Juri Elperin

Juri Elperin hat 100 der besten Werke russischer Literatur ins Deutsche übertragen. Seine Übersetzungen wurden von Generationen im deutschsprachigen Raum gelesen. In diesem Workshop teilt Elperin seine Erfahrungen im Übersetzen russischer Poesie ins Deutsche.
Auch Teilnehmer aus anderen Philologien sind herzlich willkommen.

Montag, 19.01.2015, 16.15-17.45 Uhr, Institut für Slawistik, Domstr. 9/10

 

V. Filmclub Casablanca zeigt: How I ended this Summer/ Как я провёл этим летом (OmU)

Ein Kammerspiel in der Weite der arktischen See.

Eine Polarstation auf einer einsamen Insel im Arktischen Meer. Ein Sommertag dauert Wochen, weil die Sonne in diesen hohen Breitengraden nicht untergeht. Früher befand sich hier eine wichtige Forschungsstation, inzwischen sind der erfahrene Meteorologe Sergej und der Praktikant Pavel ihre einzigen Bewohner. Ihre Aufgabe ist es, Daten von der Radioaktivität in der Umgebung zu sammeln und per Funk weiterzugeben.
Bald wird ein Schiff eintreffen, das die beiden abholt. Für Sergei geht damit ein mehrjähriger Aufenthalt zu Ende. Pavel hingegen hofft, dass vorher noch Aussicht auf ein echtes Abenteuer besteht. Irgendwann, als Sergej beim Angeln ist, fängt Pavel einen Funkspruch auf, den er sich nicht traut, Sergej zu melden. Doch dann muss Pavel erfahren, dass das Schiff in diesem Jahr wohl gar nicht mehr kommt.

RUS 2010, Regie: Alexei Popogrebsky („Koktebel“), 129 min, 35mm, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Silberner Bär der Berlinale 2010.

Montag, 19.01.2015, 20:30 Uhr, Theater Vorpommern, 3,50 & 4 €

 

VI. Juri Elperin „Der Übersetzer“

Ein Jahrhundertzeuge zu Gast in Greifswald

Der Film „Der Übersetzer“ von Grigory Manyuk und Manfred Wiesner zeichnet in eindrucksvoller Weise den bewegten Lebensweg von Juri Elperin nach.
Juri Elperin wurde 1917 als Kind russisch-jüdischer Eltern im Schweizer Davos geboren. Er wuchs im Berlin der Weimarer Republik auf, floh vor dem Naziregime zuerst nach Frankreich und danach in die Sowjetunion. Er kämpft in der Roten Armee gegen den Faschismus und wird nach dem Krieg zum wichtigsten Übersetzer russischer Literatur ins Deutsche. Mit Raija Hauck spricht Elperin über seine Leidenschaft fürs Übersetzen und über Stationen seines bewegten Lebens, welches beispielhaft für die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts ist. Im Jahr 2000 kehrte der heute 97-Jährige wieder in seine Heimat Berlin und in das Land seiner Muttersprache zurück.

„Der Übersetzer“, D 2013, von Grigory Manyuk und Manfred Wiesner, DVD, 60 min

Film + Gespräch, Dienstag, 20.01.2015, 19.30 Uhr, Koeppenhaus, 5 & 3 Euro

 

VII. „Berlin liegt im Osten“ - Lesung mit Nellja Veremej

Ein Berlin voller Lebensgeschichten und eine Autorin, die sich einfühlsam an die Seite ihrer Figuren stellt.

Aus einem kaukasischen Städtchen über Leningrad bis nach Berlin führt der Roman von Nellja Veremej, der seine geographischen und kulturellen Motive schon im Titel trägt. „Berlin liegt im Osten“ heißt das Buch, in dem von den städtischen Enklaven russischer Migranten ebenso farbig erzählt wird wie von Provinzkindheiten in der ehemaligen Sowjetunion. Das Berlin dieses Romans, der rund um den Alexanderplatz spielt, wird durch die unnachahmliche Stimme einer Ich-Erzählerin lebendig, die den nur scheinbar unspektakulären Beruf einer Altenpflegerin ausübt.
Nellja Veremej, geboren 1963 in der Sowjetunion, lebt seit 1994 in Berlin. 2014 erhielt die Autorin den Adelbert von Chamisso Förderpreis.

Mittwoch 21.01.2015, 20.00 Uhr, Koeppenhaus, 5 & 3 Euro

Die Veranstaltung wird von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

 

VIII. Wild, bedrohlich und fremd?
Russland - eine interdisziplinäre fotografische Annäherung.

Bilder prägen auf vielfältige Weise unser Leben. Nicht erst die gegenwärtige Krise um Russland, die Ukraine und Europa hat die Frage nach Identitätskonstruktionen mit Hilfe von Fotografien und anderen Kunstformen in Ost und West in den Mittelpunkt gerückt.
Ausgehend von einer Lehrveranstaltungsreihe zur Symbolpolitik unter Anleitung von Ute Marggraff haben Seminarteilnehmer am Institut für Slawistik der Universität Greifswald ästhetisch und politisch brisante Bildzeugnisse zusammengetragen.
In Zusammenarbeit mit der Greifswalder Fotografin Eva Held sowie freien FotografInnen und KünstlerInnen aus Deutschland, Russland und der Ukraine, wurden die in unterschiedlichen Medien (Fotografie, Malerei, Graffiti, Tagebücher und andere Zeugnisse der Alltagskultur) gespeicherten Versuche der Identitätsstiftung gesammelt, kreativ nachgezeichnet, analysiert und wissenschaftlich kommentiert.

Donnerstag, 22.01.2015, 19.00 Uhr, Koeppenhaus, Eintritt frei

Ausstellung bis 21.02.2014, Di-Sa 14-18 Uhr, Eintritt frei

 

IX. „Vielleicht Esther“ - Lesung mit Katja Petrowskaja

Eine Familiengeschichte von den Schrecken des 20. Jahrhunderts

Hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die jiddischen Worte, die sie vertrauensvoll an die deutschen Soldaten auf der Straße richtete – wer hat sie gehört? Und als die Soldaten die Großmutter erschossen „mit nachlässiger Routine“ – wer hat am Fenster gestanden und zugeschaut?
Katja Petrowskaja, 1970 in Kiew geboren, schreibt in ihrem Buch ihre Familiengeschichte nieder, berichtet von den Reisen zu den historischen Schauplätzen und reflektiert über ein zersplittertes und traumatisiertes Jahrhundert. Für die Erzählung „Vielleicht Esther“ erhielt die Autorin den Ingeborg-Bachmann-Preis 2013.

Freitag, 23.01.2015, 20.00 Uhr, Koeppenhaus, 5 & 3 Euro

Ein Angebot der Kulturreferentin für Pommern in Zusammenarbeit mit dem Koeppenhaus.

 

X. Reden mit Russen!

Eine kleine Einführung in die russisch-deutsche interkulturelle Kommunikation mit Bernhard Brehmer

Schon seit den 1960er Jahren ist in der Fremdsprachendidaktik fest verankert, dass die adäquate Beherrschung einer Fremdsprache nicht nur entsprechende Kenntnisse in Aussprache, Grammatik und Wortschatz voraussetzt, sondern auch das Wissen darüber, wem gegenüber und wann welche sprachlichen Ausdrucksmittel verwendet werden dürfen („kommunikative Kompetenz“). Dies setzt ein Wissen über Besonderheiten der Kommunikationsgewohnheiten in der Zielkultur voraus. Dass sich kommunikative Gewohnheiten im deutschen und russischen Kulturraum zum Teil massiv unterscheiden, wird jeder wissen, der schon einmal in Russland war. Der Vortrag möchte einen Überblick über einige Unterschiede im kommunikativen Verhalten von Russen und Deutschen in verschiedenen Alltagssituationen vermitteln. Dieser Blick auf kulturspezifische Regeln der Kommunikation soll auch dazu dienen, nationale Stereotype und Vorurteile als solche zu entlarven.

Vortrag, Montag, 26.01.2014, 14:15-15:45, Institut für Slawistik, Domstr. 9/10

 

XI. Яussisch und Дeutsch. Tiefkühlschränke sprachlicher Formen

Deutsch-Russische Wortschatzbeziehungen mit Harry Walter

Jeder kennt die russische Soljanka und die Matrjoschka. Die hat das Deutsche entlehnt und in seinen Wortschatz aufgenommen. Und die Potemkinschen Dörfer erst! Aber gab es die überhaupt? Oder ist das eine deutsche Erfindung? Wer trinkt noch Brüderschaft? Und wer bezahlt auf Hamburger Rechnung? Das machen die Russen, die die Antwort auf diese Fragen lieber in die „lange Truhe“ legen.
Der Vortrag soll auf unterhaltsame Weise Zeugnisse von 1000 Jahren Sprachkontakt aufzeigen, auf Missverständnisse hinweisen und „falsche Freunde“ entzaubern.

Vortrag, Montag 26.01.2014, 16:15-17:45, Institut für Slawistik, Domstr. 9/10

 

Die Russischen Kulturtage werden organisiert vom Koeppenhaus und dem Institut für Slawistik in Zusammenarbeit mit dem IKUWO, dem Chor „Choryllisch“, der Theatergruppe „Greifswalder Möwen“, dem Filmclub Casablanca und der Kulturreferentin für Pommern am Pommerschen Landesmuseum.
Gefördert aus Mitteln der Ernst-Moritz-Arndt Universität, der Universitäts- und Hansestadt Greifswald – Kulturamt, dem Fachschaftsrat Baltistik/Slawistik dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Robert Bosch Stiftung.